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Als Kind hatte ich einen ganz großen Berufswunsch: ich wollte Schriftstellerin werden.

An diesem Wunsch hat sich auch nie etwas geändert, er blieb meine ganze Kindheit und Jugend über konstant. Freundinnen in meiner Klasse hatten alle möglichen wechselnden Wünsche: Tierärztin, Innenarchitektin, Tänzerin, Polizistin.

Ich wollte einfach immer nur Bücher schreiben. (Okay, ich gebe zu – es gab mal eine Phase, in der ich Astronautin werden wollte. Als ausgeprägt Introvertierte fand ich den Gedanken schön, alleine in der unendlichen Stille des Alls herumzuschweben. Aber der Berufswunsch erledigte sich relativ schnell wieder.)

Die Bücher blieben, egal was sonst passierte. Ich war schon immer eine Leseratte, und sobald ich schreiben konnte, schrieb ich. Kurzgeschichten, Romane, Sachbücher. Bis heute ist einiges zusammen gekommen, und es wird beständig mehr. Schreiben ist für mich – neben der Malerei, die ich auch sehr liebe – die selbstverständlichste Art des Ausdrucks.

Meine Bücher sind sowohl in regulären Verlagen als auch im Selfpublishing erschienen. Ich kenne also beide Seiten der Medaille. Und momentan kann ich guten Gewissens behaupten, dass ich zufrieden damit bin, aktuell überwiegend als Selfpublisher unterwegs zu sein.

 

In Deutschland hat das Selfpublishing noch immer einen ziemlich schlechten Ruf

 

Gerne wird die Nase gerümpft, und das Loser-Image lässt sich schwer abstreifen. Verlagsveröffentlichungen gelten noch immer als Kriterium für Qualität – und wenn wir einen ehrlichen Blick auf die Selfpublisherszene werfen, dann ist dieses Argument auch nicht ganz von der Hand zu weisen.

Es wird jede Menge Müll veröffentlicht. Schlechte Stories, die wenig oder kein Korrektorat und schon gar kein Lektorat durchlaufen haben, miese Covergestaltung, mangelhaftes Layout. Im Ratgeberbereich, in dem ich vor allem mit meinen Büchern zur Autoimmunerkrankung Hashimoto Thyreoiditis* schon lange unterwegs bin, ist es inzwischen genauso wüst und unübersichtlich wie in der Belletristik.

Natürlich gibt es sie, diese Menschen, die der Meinung sind, jeder könne einfach mal so nebenbei ein Buch schreiben. Und – na klar – über Nacht damit steinreich werden…

Es gibt aber auch einen großen Anteil sehr professionell arbeitender Selfpublisher, deren Bücher Verlagsveröffentlichungen in nichts nachstehen. (Und, was wir nicht vergessen sollten – auch Verlage veröffentlichen Bücher, bei denen man sich fragt, ob das denn nun wirklich nötig war …)

Inzwischen schwenken auch etablierte Autoren auf Selfpublishing um, oder nutzen es als parallele Möglichkeit zu Verlagsprojekten. Selfpublishing bietet Raum für Experimente, und die Möglichkeiten sind so vielfältig wie nie zuvor. Niemals war es leichter, eigene Bücher zu veröffentlichen. Und wieso sollte man sich an Verlage binden, wenn man die Zügel auch gut selbst in der Hand halten kann? Und zudem deutlich mehr Tantiemen dabei rausspringen?

Aber fangen wir doch mal ganz vorne an:

 

Was ist Selfpublishing?

 

Selfpublishing bedeutet, dass eine Autorin oder ein Autor ein Buch komplett selbst veröffentlicht, und für jeden Arbeitsschritt (also vom Schreiben über Lektorat und Korrektorat bis zu Covergestaltung, Layout und Marketing) selbst zuständig ist. Die bisher übliche Zusammenarbeit mit einem Verlag und/oder Agenturen ist damit hinfällig.

Das bedeutet natürlich nicht, dass Autoren nicht sowohl in Verlagen als auch in Eigenregie veröffentlichen können. Hier kommt es auf die Absprachen mit Agenturen und Verlagen an. Manche sind mehr, manche weniger offen für Autoren, die neben der „klassischen“ Veröffentlichungsweise über Verlage auch „ihr eigenes Ding“ machen möchten.

Ich denke, dass sich in den nächsten Jahren immer mehr Autoren für die „Zweigleisigkeit“ entscheiden werden, und dass Selfpublishing zudem immer mehr an Einfluss gewinnen wird. Auf dem englischsprachigen Markt zeigt sich diese Entwicklung bereits deutlich.

 

Welche Möglichkeiten gibt es für Selfpublisher?

 

Es gibt inzwischen zahlreiche Anbieter. Neben Amazon Create Space und Amazon Kindle Direct Publishing wären da z.B. noch Tolino und Neobooks zu nennen, BookRix, Xinxii und epubli.

Ich selbst veröffentliche die Printausgaben meiner Bücher über Amazon Create Space und die Ebooks über die Amazon Plattform Kindle Direct Publishing. Außerdem nutze ich für Ebooks zusätzlich nochTolino. (Über einen Verlag sind momentan noch meine beiden Romane* als Ebooks zu haben. Diese Zusammenarbeit läuft für mich auch nach wie vor sehr gut.)

Man kann bezüglich Amazon durchaus geteilter Meinung sein, aber momentan bieten sie Selfpublishern recht gute Konditionen. Nur zum Vergleich: Für ein Taschenbuch, das ich in einem Verlag veröffentlicht habe, erhielt ich pro Verkauf nicht einmal einen Euro. Als Selfpublisher bleiben im Schnitt 4 bis 5 Euro pro verkauftes Buch (je nach festgelegtem Verkaufspreis) bei mir hängen. Das macht auf der Abrechnung einen wirklich gewaltigen Unterschied.

Natürlich kann niemand wissen, ob Amazon nicht irgendwann die Konditionen ändert und sich die Lage für Selfpublisher dann verschlechtert. Aufgrund seines Einflusses (nicht nur in der Selfpublisherszene) hätte Amazon selbstverständlich die Macht, nahezu beliebig Änderungen durchzuführen – und die meisten Autoren würden dann wohl in den sauren Apfel beißen und mitziehen. Denn: Amazon ist unbestritten der wichtigste Onlinehändler, und das nicht nur für Bücher.

Die meisten Kunden verbinden mit Amazon Zuverlässigkeit und einen reibungslosen Ablauf von Bestellungen. Zudem gehen viele Menschen inzwischen einfach davon aus „dass Amazon das hat“. Wer ein Buch sucht, recherchiert oft direkt bei Amazon. Für Selfpulisher bedeutet dies eine sehr große Reichweite bei relativ wenig Aufwand – und so etwas ist Gold wert.

Als Leserin liebe ich es, in kleinen Buchhandlungen zu stöbern, und ich bin froh um jeden Buchladen, der sich in meinem Kiez halten kann. Gerade Nischenbuchhandlungen haben – zumindest hier in Berlin – gute Chancen, sich mit ihrem besonderen Programm und der persönlichen, guten Beratung gegen den Onlineriesen Amazon durchzusetzen. Als Autorin befürworte ich – zumindest aktuell – Amazon, denn Selfpublisher bekommen durch den Händler eine wertvolle Plattform.


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Wer sich nicht von Amazon abhängig machen möchte, kann Bücher natürlich auch völlig autark über die eigene Webseite anbieten. Dies funktioniert sowohl für Ebooks als auch für physische Produkte und bringt jede Menge Freiheit mit sich.

Nachteil: Es muss ein eigenes Shopsystem mit der Seite verknüpft werden, die Auslieferung muss reibungslos funktionieren und nicht zuletzt braucht die Webseite auch genügend Traffic, damit die Bücher überhaupt gefunden werden können. Die meisten Selfpublisher verfügen nicht über die nötige Reichweite, um ihre Produkte allein über ihre Webseite erfolgreich zu vermarkten und damit nennenswertes Einkommen zu erzielen. Ausnahmen bestätigen auch hier natürlich wieder die Regel.

Ich bin eine große Freundin automatisierter Prozesse, weil ich meine Einkommensquellen möglichst passiv gestalten möchte. Passives Einkommen aus Büchern bedeutet: Ich möchte mich, nachdem ich ein Buch geschrieben habe, höchstens noch mit Marketing und mit sonst gar nichts mehr befassen müssen. Alles sollte weitgehend unabhängig von meiner Anwesenheit laufen, damit ich Zeit, Nerven und Raum für neue spannende Projekte habe. Ich reise gerne und möchte mich dann nicht auch noch mit Versand- oder Abrechnungsfragen befassen müssen. (Was ich auf Reisen dabei habe, um auch unterwegs Bücher zu schreiben, findest du in meiner Packliste für Flowpreneure.)

Durch Amazon Create Space und KDP erspare ich mir den ganzen organisatorischen Aufwand der Auslieferung und kann mir sicher sein, dass meine Bücher die Leser zuverlässig, schnell und in guter Qualität erreichen. Zudem zahlt Amazon zuverlässig monatlich die Tantiemen aus, was ebenfalls sehr bequem ist. Für mich ist das Selfpublishing über Create Space und Kindle Direct Publishing daher gerade die beste Lösung, aber das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

 

Kann ich mir vorstellen, in Zukunft auch wieder bei einem Verlag zu veröffentlichen?

 

Ja, natürlich kann ich mir das vorstellen! Ich würde ein großes, altehrwürdiges Verlagshaus für Herzensprojekte ganz sicher nicht von der Schreibtischkante schubsen, aber das ist eher eine Frage der Ehre. Ich schätze die Freiheiten, die mir das Selfpublishing bietet, die Schnelligkeit der Prozesse und die regelmäßige Auszahlung der Tantiemen in kurzen Intervallen. (Verlage zahlen üblicherweise einmal jährlich die Tantiemen aus).

Aber: Ich bin absolut kein Verlagsgegner. Es kann sehr schön sein, gemeinsam mit Lektoren an Büchern zu arbeiten, die Geschichte noch besser zu machen und schließlich die Veröffentlichung durch den Verlag mitzuerleben. Und natürlich bieten (zumindest größere) Verlage die Möglichkeit, ins Sortiment der Buchhandlungen aufgenommen zu werden. Jeder Autor, der schon einmal eines seiner Bücher auf einem Tisch in der Buchhandlung gesehen hat, kennt das wunderschöne Gefühl, das damit verbunden ist.

Nein, an so etwas kommen Veröffentlichungen bei Amazon oder anderen Anbietern einfach nicht heran. Die emotionale Ebene wird bei weitem nicht so stark angesprochen. Aber aus Sicht einer Autorin, die es mag, Geld mit ihren Büchern zu verdienen und die Miete durch kreative Arbeit zu bestreiten, überzeugt mich ein langfristig gut laufender passiver Einkommensstrom, bei dem ich selbst die Zügel in der Hand halte. Dazu muss ich allerdings auch betonen: Meine Aktivität als Selfpublisher erfolgt bisher überwiegend im Bereich der Ratgeberliteratur, und dieses Genre bringt ohnehin einen gewissen Pragmatismus mit sich.

Ich weiß, das ist nicht sehr romantisch. Das ist das Klischee vom dahindarbenden Künstler allerdings auch nur für diejenigen, die selbst nicht davon betroffen sind. Ich bin für Eigenverantwortung, für Mut – und dafür, die eigenen Produkte mit Begeisterung in die Welt zu bringen. All diese Optionen bietet Selfpublishing. Wir haben als Autoren heute so vielfältige Möglichkeiten wie nie zuvor. Nutzen wir sie!

 

*Affiliate Link

Welche Erfahrungen hast du mit Selfpublishing gemacht? Wie stehst du dazu? Lass mir gerne einen Kommentar da!

 

Sandra

Sandra

Sandra ist der kreative Kopf hinter Flowpreneur und schreibt über Business, Money-Mindset, Leben und Reisen.
Sandra
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