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„Erfolgreiche Menschen sind immer extravertiert! Anders geht das gar nicht. Du musst ja Leute für dich einnehmen können, und deine Botschaft nach außen bringen. Wie willst du das machen, aus einer stillen Ecke heraus?“

Diese Worte hat vor einigen Jahren eine Bekannte von mir gesagt. Es war ein Mädelsabend in einer Bar, wir waren mehrere Frauen Ende Zwanzig und es ging um das Thema Karriere.

Ich vertrat schon damals die Meinung, dass auch introvertierte Menschen beruflich sehr erfolgreich sein können. Und dass es kein großes Bohei braucht, keine Fassadenmalerei und keine aufgeblähten Selbstinszenierungen, um etwas in der Welt zu bewegen.

Dieser Meinung bin ich auch heute noch. Nicht zuletzt, weil es sich für mich bewahrheitet hat.

Ich bin sehr introvertiert, brauche viel Zeit für mich, ein hohes Maß an Ruhe und vor allem das Gefühl, selbst über mein Leben und dessen Inhalte zu entscheiden. Introvertierte Menschen sind aber deshalb nicht zwangsläufig still und schüchtern.

Ich kann eine echte Rampensau sein, wenn ich das möchte, und eine Löwin, wenn es um Themen geht, die mich bewegen. Ich kann eine ganze Partygesellschaft unterhalten, und ich kann Berge verrücken. Aber danach brauche ich bitte erstmal wieder meine Ruhe.

Stark vereinfacht lässt sich sagen: Introvertierte Menschen tanken auf, indem sie für sich sind. Extravertierte Menschen tanken auf, indem sie mit anderen Menschen in Kontakt sind.

 

Introvertierte gelten oft als schüchtern, distanziert oder arrogant.

 

Dabei brauchen wir einfach nur andere Voraussetzungen, um uns zu öffnen. Und gelegentlich auch ein anderes Tempo. Ein tolles Buch zum Thema Introversion ist Still von Susan Cain*.

Ich war schon immer besonders gut in Dingen, die man alleine macht – und ich bin eine eher schlechte Teamplayerin. Die meisten Teamstrukturen hemmen und frustrieren mich. Ich bekomme deutlich mehr Dinge geregelt, wenn ich für mich arbeite, als wenn ich das gemeinsam mit anderen tun muss. Aber: Wer nicht teamfähig ist, wirkt oft etwas seltsam und befremdlich.

 

Als ich in den 80er-Jahren eingeschult wurde, saßen an einem Tisch immer nur zwei Kinder. Die ganze Sache war noch deutlich mehr auf Frontalunterricht ausgerichtet. Das hat sicher nicht nur Vorteile, aber ich kam damit gut zurecht. Der Fokus ging klar nach vorne, zur Tafel. In der fünften Klasse aber wurde umgestellt: die Tische wurden zu Inseln im Klassenraum gruppiert, und an jeder Insel saßen dann 6 bis 8 Kinder. Wer Pech hatte, saß mit dem Rücken zur Tafel.

Ich habe den Sinn des Ganzen schon damals nicht begriffen. Aus meiner Sicht wurde es im Klassenraum unruhiger, die Aufmerksamkeit schweifte permanent ab, und die ständige Gruppenarbeit führte (nicht nur bei mir) zu starker Ermüdung. Ich war immer froh, wenn ich in der Pause für mich sein konnte. Ich zog mich dann in irgendeine Ecke auf dem Schulhof zurück (oft gemeinsam mit meinem damals besten Freund, der ebenso unter der vorgeschriebenen Gruppenarbeit litt). Dort standen wir, tranken ekligen Schulkakao, starrten schweigend in die Luft und hatten nach der Pause das Gefühl, gerade erst wieder einigermaßen bei Kräften zu sein. Mit dem Gang zurück ins Klassenzimmer begann dann die nächste Schlacht.


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Im Studium hingegen hatte ich eine überwiegend gute Zeit. Ich studierte ein Orchideenfach, das Institut war klein, die Bibliothek still und die Seminare nie überfüllt. Ich hatte einen wohlselektierten Kreis von verlässlichen und reflektierten Menschen um mich, mit denen ich noch heute (fast 20 Jahre später) innig befreundet bin. Aus Sicht einer Introvertierten war das Magisterstudium, in dem ich meine Schwerpunkte überwiegend selbst festlegen konnte, ein absolutes Geschenk.

Das Arbeitsleben erwartet aber etwas anderes von uns. Extravertiertheit. Selbstdarstellung. Kampf. Höher, schneller, weiter. Die Stillen geraten dabei oft unter die Räder, und ihre Leistungen werden viel zu häufig nicht wahrgenommen, oder zu wenig wertgeschätzt.

Ich habe anfangs Zeit damit vergeudet, wie andere sein zu wollen. Den meisten fiel es doch leicht, sich in diese Strukturen einzufügen, es musste also möglich sein! Ich dachte, ich müsste es doch zumindest versuchen. Es lernen. Oder zumindest so gut schauspielern, dass ich in die gewünschten Strukturen hineinpasse. Aber es hat sich nie wirklich gut angefühlt.

 

Heute weiß ich: Ich bin eine Murmel, die versucht hat, ein Würfel zu sein.

 

So etwas kann nicht funktionieren. Es dient niemandem und es macht vor allem auch nicht glücklich. Ich bin froh, dass ich recht schnell begriffen habe, dass ich in klassischen Arbeitsstrukturen voraussichtlich kein Zuhause finde. Und dass ich andere Wege beschreiten muss, wenn ich nicht daran kaputtgehen möchte.

Ich habe zunächst als Freelancer alle Möglichkeiten gefunden, die ich für gutes Arbeiten brauche: meinen eigenen Rhythmus, mein eigenes Büro, in dem ich völlig für mich bin, meine eigenen optimalen Strukturen. Das Ganze hat für mich sehr gut funktioniert, denn so kann ich im Flow arbeiten.

Ich habe als Texterin gearbeitet, als Übersetzerin, als freiberufliche Dozentin. Ich war in der Beratung tätig und später dann mit eigener Praxis im Bereich Naturheilkunde, was heute noch Teil meines Arbeitslebens ist. All diese Stationen waren wichtig und gut – und Voraussetzung für die Bücher, die ich schreibe, um Menschen weiterzuhelfen.

In Gesprächen unter vier Augen bin ich hervorragend, und auch das ließ sich in die Tätigkeit als Freelancer gut einbinden. Die meisten Introvertierten können extrem gut zuhören und sind feine Beobachter. Diese Fähigkeiten werden in klassischen Arbeitsbedingungen nur selten geschätzt, sind aber von hohem Wert.

Viele Introvertierte stellen ihr Licht unter den Scheffel, weil ihre zurückhaltende Art nicht gefragt zu sein scheint. Und sie glauben, dass sie bei den heutigen Anforderungen der Gesellschaft beruflich nicht erfolgreich sein können. Ich halte das für einen großen Irrtum.

 

Erfolg ist keine Frage von Introversion oder Extraversion. Erfolg ist eine Frage der optimalen Umgebung.

 

Kennst du das Bild von den Pinguinen? Ein Pinguin wirkt an Land unbeholfen, fast lächerlich. Er kann nur watscheln und man kann sich kaum vorstellen, dass ein so ungeschicktes Tier überlebensfähig ist. Im Wasser aber ist der Pinguin in seinem Element. Er wird zu einem eleganten, pfeilschnellen Schwimmer. Und ist damit alles andere als lächerlich!

Du musst als Introvertierter dein Element finden. Den Bereich und die Voraussetzungen, unter denen du aufblühen und deine beste Leistung abrufen kannst. Das Umfeld, in dem du glücklich bist. Es ist nicht die Aufgabe der Arbeitswelt, dir diese Strukturen zur Verfügung zu stellen. Du kannst sie aber für dich einfordern und dein Leben – wenn nötig eben in kleinen Schritten – immer mehr in diese Richtung optimieren. Was du tust, muss übrigens nicht perfekt sein, um dich glücklich zu machen – mehr dazu findest du im Artikel Done is better than perfect – Warum du deine Träume in die Tat umsetzen musst.

Manchmal ist für mehr Zufriedenheit ein Wechsel des Arbeitsplatzes erforderlich. Manchmal die Feststellung, dass man bisher in einem ganz falschen Gewässer unterwegs war. Und bei manchen, wie bei mir, ist die Lösung eben die Arbeit in selbständigen Strukturen, in denen man selbst die volle Verantwortung für alles übernimmt.

 

Tipps für Introvertierte

 

Mach dir deine Stärken bewusst. Und schreibe sie auf. Unbedingt. Es ist ein Unterschied, ob du nur über etwas nachdenkst, oder ob du es schwarz auf weiß vor dir siehst. Mehr zur Herausstellung der Stärken als Introvertierter findest du im Buch Leise Menschen, starke Wirkung von Sylvia Löhken*.

Überprüfe, ob du in einem Umfeld arbeitest, in dem deine Stärken überhaupt zu Geltung kommen. Oder bist du in deinem Job auf verlorenem Posten? Wenn ja, warum bleibst du dann dort? Oder lässt sich vielleicht innerhalb der Firma etwas verändern, damit es dir besser geht und du erfolgreicher arbeiten kannst? Wer nicht fragt, kriegt darauf keine Antworten …

Wenn du frei wählen könntest – welchen Job würdest du machen? Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle mehr spielen würde? Womit würdest du dich beschäftigen? Unterscheidet sich dieser Traum sehr von deiner aktuellen Realität? Und wenn ja – wäre es lohnenswert, deine ideale Beschäftigung in dein Leben zu holen? Wie könntest du das angehen?

Kleine Schritte. Ich habe nach und nach Veränderungen vorgenommen und mir so ein Arbeitsleben maßgeschneidert, das meinen Bedürfnissen entspricht. In diesem Umfeld kann ich aus dem Vollen schöpfen. Und deshalb kann ich damit erfolgreich sein. Aber so etwas geschieht durch viele kleine bewusste Veränderungen. Was kannst du ab heute jeden Tag dafür tun, dass dein (berufliches) Leben als Introvertierter ein wenig leichter wird?

Dankbarkeit. Mir zeigt sich immer wieder, dass Dankbarkeit für das bisher Erreichte ein Schlüssel für noch mehr Glück ist. Mache dir jeden Tag bewusst, wofür du dankbar bist. Führe dir vor Augen, was bereits alles gut läuft. Und was du bereits geschafft hast. Welche Erfolge du privat und beruflich feiern kannst. Dankbarkeit wirkt Stress entgegen und macht glücklich. Klingt banal. Ist aber extrem klasse. Mir hilft zudem auch noch das wichtigste Tool für ein positives Mindset, um meinen Alltag erfolgreich zu gestalten. Auch und gerade, wenn es mal schwierig wird.

 

So lange du deine Zeit gegen Geld eintauschst, bist du allerdings in Bezug auf deine Freiheit (und auch auf das Wachstum deines Erfolges) immer begrenzt. Jeder von uns hat eben nur ein bestimmtes Maß an Zeit und Kraft zur Verfügung. Seitdem ich konstant passives Einkommen ausbaue, wird noch mehr Energie für Projekte frei, die mir wirklich am Herzen liegen. Mehr Zeit für meine Kunst, für Freunde, für spontane Reisen – oder eben einfach auch mal einen Tag blau machen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Ich kann meine Talente (Schreiben, Informationen weitergeben, Beratung) in Bücher und Kurse verpacken. Aber es gibt unzählige Möglichkeiten für den Aufbau von passivem Einkommen. Der hervorragende Blog Selbständig im Netz hat zum Thema Passive Einkommensquellen u.a. eine interessante Artikelserie online.

Sehr wichtig ist aber auch die klare Erkenntnis, dass du es dir erlauben darfst, erfolgreich zu sein! Egal, wie und mit was du arbeitest. Du darfst das – auch, wenn du eine Murmel unter Würfeln bist. Auch, wenn du ein wenig anders tickst. Auch, wenn du vielleicht in manchen Punkten weniger belastbar wirkst als andere. Deine Stärken liegen dafür woanders, und du kannst sie ganz gezielt nutzen, wenn du sie ausfindig machst und wertschätzt.

Mach dir bitte bewusst, dass du das gleiche Recht auf Erfolg hast wie alle anderen auch. Dass er dir zusteht. Auch, wenn du vielleicht andere Wege gehst, als es üblich ist. Überprüfe, ob du dich in deinem optimalen Element bewegst – oder ob du wie ein Pinguin an Land unbeholfen umherwatschelst, obwohl das befreiende Meer nur wenige Meter entfernt ist. Wenn du das Meer siehst, kannst du es auch erreichen. Es braucht ein wenig Mut, ja. Aber es lohnt sich.

(Interessiert dich, wie man Menschen fasziniert und die ganz persönlichen eigenen Stärken dafür nutzen kann? Dann lies gleich weiter in meinem Artikel Ich bin ein Rockstar!)

 

Bist du eher introvertiert? Welche Erfahrungen hast du in der Arbeitswelt gemacht? Teile sie gerne in den Kommentaren mit mir!

 

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