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Reisen und introvertiert sein – wie geht das zusammen? Lässt sich auf leisen Sohlen eine Welt erobern, die durch Extravertiertheit geprägt ist? Und gibt es wirklich Reisetipps für Introvertierte, die den Urlaub verschönern?

Ja, die gibt es. Und ich teile sie mit dir aus gegebenem Anlass.

Wie schon im Artikel Eine Murmel unter Würfeln beschrieben, bin ich selbst eine ausgeprägte Introvertierte. Ich brauche viel Zeit für mich, ruhige Umgebungen und Phasen des Alleinseins, um meine Energie wieder aufzuladen. Das ist typisch für introvertierte Menschen.

Introvertiert sein bedeutet nicht, dass man Menschen nicht mag oder schüchtern bzw. distanziert ist – ein häufiges Missverständnis! Introvertierte benötigen nach Begegnungen mit anderen Menschen und/oder nach der Konfrontation mit neuen Eindrücken einfach den Rückzug, um ihre Batterien aufzuladen, während Extravertierte problemlos in Gesellschaft Energie tanken.

So einfach sich dieses Prinzip in der gewohnten Umgebung zu Hause umsetzen lässt, so schwierig kann es allerdings auf Reisen werden.

Ich reise gerne und ich mag die Inspiration, die man durch Reisen erfährt. Gerade als kreativ tätiger Mensch ist Reisen eine wahre Fundgrube an Sinneseindrücken und neuen Erlebnissen, die sich dann in Kunst und Literatur umsetzen lassen. All diese Impulse müssen aber eben auch verarbeitet werden – und dafür braucht ein introvertiertes Selbst Gelegenheit und seine Ruhe.

Auf Reisen zu sein bedeutet aber auch, dass sich eben nicht alles planen und einkalkulieren lässt, dass die schönsten Erlebnisse manchmal über Umwege zu uns kommen, und dass vor allem die für Introvertierte so lebenswichtigen Rückzugsmöglichkeiten nicht immer einfach zu haben sind.

Unterwegs zu sein ist für introvertierte Menschen sehr viel anstrengender als für Extravertierte. Viele neue Eindrücke, so schön sie auch sein mögen, zehren an den Energiereserven, und müssen in der Folge verarbeitet werden. Das kann bei stillen Menschen länger dauern.

 

Die größten Herausforderungen für Introvertierte auf Reisen

 

Natürlich hat auch jeder leise Mensch individuell unterschiedlich hohe Belastungsgrenzen. Manche kommen zum Beispiel mit Lautstärke ganz gut zurecht, andere (wie zum Beispiel ich) möchten bei Lärm lieber sofort die Flucht ergreifen. Hier die größten Herausforderungen, denen Introvertierte auf Reisen begegnen können:

 

Lärm und Unruhe

Egal, ob es sich um hupende Tuk Tuks handelt, um den Rummel auf Märkten, um laute Zimmergäste in Hotels oder um das schrille Kreischen einfahrender Züge – Lärm in allen Variationen kann für Introvertierte sehr belastend sein.

Die für mich belastendste Reise ist etliche Jahre her. Ich war damals gemeinsam mit einer Studienfreundin in Budapest und wir übernachteten in einem hübschen Hostel. Bingo, dachten wir uns damals, weil wir uns sofort sehr wohlfühlten. Lichtdurchflutete Räume in einem wunderschönen alten Gebäude in richtig guter Lage, alles sehr sauber, zuvorkommende Mitarbeiter … Klingt perfekt, oder? Tja … bis dann nachts im Keller Bässe loswummerten. Es befand sich ein Club in den alten Gewölben, und die Musik brachte bis in die Morgenstunden hinein das gesamte Haus zum Beben. Für Introvertierte die reine Folter …

Aber auch das Übernachten in ruhigen Hostels kann problematisch sein, sofern es sich um Mehrbettzimmer handelt, und ständig latente Unruhe herrscht. Menschen, die kommen und gehen, können schon genügen, um Introvertierte massiv zu stressen.

 

Zu wenig Schlaf

Meistens geht Schlafmangel aus Lärm und Unruhe hervor. Ich persönlich reagiere auf Schlafmangel extrem. Es gibt nichts, was mich mehr fertigmachen kann. Ein guter Freund von mir wird knatschig, wenn er hungrig ist – ich werde unausstehlich, wenn ich zu wenig Schlaf hatte. Ein wichtiger Grund also, auf Reisen umso mehr auf eine vernünftige Schlafumgebung zu achten.

 

Menschenmengen

Eine weitere große Herausforderung für Introvertierte auf Reisen sind schlicht und einfach andere Menschen. Gedränge kann fürchterlich sein. Fremde Menschen, die zum Beispiel in der U-Bahn keinen Abstand halten (können), sind für Introvertierte eine echtes No-Go. (Bahnfahren in Tokio steht deshalb definitiv nicht auf meiner Bucketlist, was Reiseerlebnisse angeht …).

 

Nervige Mitreisende

Nicht nur Menschenansammlungen, auch übermäßig gesprächsbedürftige Sitznachbarn können sehr anstrengend werden. Wer schon einmal stundenlang im Flugzeug, Bus oder Zug neben einer Plaudertasche saß, weiß, wie sehr einem nach einer Weile die Ohren bluten können. Da die meisten Introvertierten auch zu höflich sind, um solche Gespräche abzuwürgen, entsteht schnell eine Belastungssituation.

Kommunikation in Maßen ist natürlich auch für Introvertierte anregend und ein schönes Erlebnis. Aufgezwungene Kommunikation in Situationen, denen man nicht entfliehen kann, ist dagegen der pure Horror. (Und ja, ich habe in einem Flugzeug schon einmal sehnsüchtig über Notfall-Fallschirme für verbal bedrängte Introvertierte nachgedacht!)

 

Keine Rückzugsmöglichkeiten

Rückzug ist lebenswichtig für Introvertierte. Es ist nicht möglich, die eigenen Batterien ohne Zeit und Raum für sich alleine wieder aufzuladen. Auf Reisen kann das tatsächlich eine der größten Herausforderungen werden. Gerade Gruppenreisen können sich als pure Albträume entpuppen.

In der Reiseplanung solltest du deshalb berücksichtigen, welche Art von Reise sich für dich als introvertierte Person besonders gut eignet, und wovon du vielleicht besser die Finger lässt.

 

Unsichere Reiseverläufe

Es muss gar nichts Dramatisches passieren – manchmal genügt ein dummerweise verpasster Flug oder auch nur die Unsicherheit, ob man einen Anschlusszug noch erwischt. Es gibt Menschen, die auf Reisen besonders die Unsicherheit lieben und das damit einhergehende Gefühl, dass alle Möglicheiten offenstehen.

Introvertierte bevorzugen aber üblicherweise klare Strukturen und brauchen ein Mindestmaß an Planung, um sich sicher und wohl zu fühlen.

Besonders anstrengend sind Reisen mit häufigen Ortswechseln und daraus resultierend viele Veränderungen und neue Eindrücke in kurzer Zeit. Allerdings ist auch das eine Frage der Gewohnheit – ich kenne Introvertierte, die diese Art des Reisens lieben gelernt haben.

Auf jeden Fall ermöglicht so etwas eine tiefe Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen und „Macken“. Reisen ist immer auch ein Sich-Selbst-Noch-Besser-Kennenlernen. Und das macht sich gerade in den ungeplanten Zwischenfällen bemerkbar.



 

Wo ist die Stille? Meine Tipps für introvertierte Reisende

 

Sorge für Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten

Buche ein Zimmer in ruhiger Lage, wann immer es möglich ist. Vergewissere dich, dass es dort wirklich ruhig ist! Du bist nicht die Prinzessin auf der Erbse, wenn du Lärm nicht erträgst. Es ist einfach deine Achillesferse. Warum solltest du dir die Reise vermiesen lassen, nur weil du durch eine laute Umgebung nicht zur Ruhe kommst? Nimm Rücksicht auf dich selbst und deine Bedürfnisse. Sei es dir wert, in Stille zu sein – auch und gerade auf Reisen.

Bei weniger aufdringlichem Lärm können Ohropax ein Segen sein – sofern du mit dem Druckgefühl in den Ohren zurechtkommst. Ich suche noch immer nach Ohropax, die sich auch im Schlaf bequem anfühlen. Bisher hat mich keine Variante vollständig überzeugt … Falls du also Tipps hast, teile sie gerne in den Kommentaren mit mir!

Ich buche inzwischen am liebsten Appartments über AirBnB und ziehe eine eigene Wohnung auch Übernachtungen in Hotels deutlich vor. Ruhige Umgebung nach Wunsch, Rückzugsmöglichkeiten und kein Gedrängel im Frühstücksraum – was will man mehr? (Du bist noch nicht bei AirBnB angemeldet? Hier bekommst du 35 Euro Reiseguthaben für deine erste Reise geschenkt.)

Suche bewusst nach Rückzugsmöglichkeiten. Diese gibt es natürlich nicht nur innerhalb der eigenen Unterkunft. Auch in den trubeligsten Städten finden sich Orte für ein ruhiges Durchatmen. Parks eignen sich immer gut (sofern sie sicher sind, das solltest du vorher checken). Ebenso gut funktionieren ruhige Plätze am Wasser. Wenn gar nichts Naturnahes zu finden ist, eignen sich notfalls auch Umkleidekabinen, Waschräume oder sogar Telefonzellen (ja, manchmal gibt’s die noch!) für eine kurze Abschottung von den Außenreizen.

 

Wahre deine Grenzen

Als Introvertierter ist man stets darauf bedacht, andere Menschen nicht zu kränken. Außerdem haben viele das Gefühl, ihre eigenen Bedürfnisse nicht kommunizieren zu dürfen – aus Angst, „empfindlich“ und „unflexibel“ zu wirken. Es ist aber für deine Gesundheit und deinen Seelenfrieden unabdingbar, dass du Grenzen setzt. Das kann konkret bedeuten, plaudertaschige Mitreisende höflich in die Schranken zu weisen.

Hilfreiche Sätze, die üblicherweise auch gut funktionieren und nicht als Ablehnung empfunden werden, sind zum Beispiel: „Danke für das schöne Gespräch – ich werde jetzt noch ein wenig Arbeiten.“ Woraufhin man den Blick direkt wieder den Arbeitsunterlagen auf Papier oder Laptop zuwendet und sich auch tatsächlich an die Arbeit macht. Selbständige haben ja ohnehin immer irgendetwas zu tun, an mangelnder Gelegenheit sollte es also nicht scheitern …

Oder: „Es war sehr nett, mit Ihnen zu plaudern, aber jetzt muss ich unbedingt das Buch weiterlesen, das ich gestern angefangen habe.“ Und dann vertiefst du dich in das Buch, das du wirklich gerade unbedingt lesen wolltest.

Last but not least hilft Augenpflege: „So, jetzt werde ich die Reisezeit nutzen und noch ein wenig Schlaf nachholen.“ Schlafbedürfnis ist ein Totschlagargument. Niemand, der die grundsätzlichen Regeln der Höflichkeit verstanden hat, wird dich dann weiterhin in Gespräche verwickeln wollen.

Die meisten Mitreisenden respektieren sowohl den Wunsch, arbeiten zu wollen, als auch den Wunsch nach Ruhe. Bei der „Ich lese jetzt“ – Lösung kann man allerdings Pech haben, weil der Sitznachbar sich dann plötzlich unbedingt ausgiebig über Literatur in all ihren wundervollen Facetten unterhalten möchte … Aber gut, dann kann man sich immer noch zur Flucht in Morpheus‘ Arme entschließen …

Für unangenehme Situationen in Menschenmengen gilt: so gut wie möglich meiden. Wenn das nicht geht, Augen zu, Zähne zusammenbeißen und durch. Danach für genügend Rückzugsmöglichkeiten sorgen, tief durchatmen und Stille und Raum genießen.

Eine gute Hilfe zum Grenzen ziehen sind auch Kopfhörer, die Außengeräusche unterdrücken. Nicht ganz billig, aber definitiv jeden Cent wert sind die Quiet Comfort Kopfhörer von Bose* oder die Noise Cancelling Kopfhörer von Sony*. Mit Hilfe dieser Kopfhörer lässt sich jedes Außengeräusch einfach abschalten – himmliche Stille ist die Folge. Und außerdem spricht einen niemand an, wenn man die Dinger auf den Ohren hat. Eine Win-win-Situation für jeden Introvertierten!

 

Umarme das Abenteuer

Nein, es lässt sich nicht alles planen. Und manche Dinge passieren eben einfach, ob man sie jetzt gebrauchen kann oder nicht. Das gilt für das alltägliche Leben ebenso wie für Reisen.

Natürlich solltest du als introvertierter Mensch dafür sorgen, so viel Planungssicherheit wie möglich auf Reisen zu haben. Wenn du introvertiert bist, wirst du das auch ganz von selbst so handhaben, weil es dir einfach ein Bedürfnis ist, zu wissen, was auf dich zukommt.

Gerätst du dennoch einmal in unvorhergesehene Herausforderungen hinein: Umarme das Abenteuer! Oft entstehen die schönsten Erinnerungen in Situationen, mit denen wir so niemals gerechnet haben. In solch einer Lage hilft tief durchatmen, sich auf sich selbst besinnen und lächeln.

Denn egal was geschieht – am Ende bleibt eine erzählenswerte Geschichte in deinem Lebensroman, an dem du entscheidend mitgeschrieben hast, indem du auf deinen leisen Sohlen die Welt eroberst. Lass dir das nicht nehmen.

 

Hast du unschlagbare Tipps für Introvertierte auf Reisen? Dann teile sie gerne in den Kommentaren mit mir!

 

Noch mehr Inspiration für deine Reisen gefällig? Dann stöbere in meiner phänomenal hilfreichen Packliste für Flowpreneure! Oder begleite mich nach Frankreich und auf einen Kurztrip nach Lissabon. Für mich geht es demnächst übrigens endlich mal wieder in meine zweite Heimat Dublin – ich freue mich schon wahnsinnig darauf!

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Sandra

Sandra

Sandra ist der kreative Kopf hinter Flowpreneur und schreibt über Business, Money-Mindset, Leben und Reisen.
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