Ein Leben als Scanner ist anstrengend. Aber ein Leben als Scannerpersönlichkeit ist auch sehr großartig!

Für andere ist oft schwer nachzuvollziehen, was Scanner bewegt und antreibt. Scannerpersönlichkeiten sind, überspitzt gesagt, genau das, wovor uns unsere Eltern immer gewarnt haben: sie interessieren sich eigentlich für alles, haben immer mehrere Interessen gleichzeitig, meistens auch mehrere Berufe und können ihr Leben von einer Sekunde auf die andere umstellen, ohne damit das geringste Problem zu haben.

Die Architektin beschließt, doch noch Landwirtschaft zu studieren. Der Archäologe wird Finanzberater. Und beide gehen in ihren neuen Tätigkeiten vollkommen auf. Und finden vielleicht einige Monate oder Jahre später wieder neue Betätigungsfelder, beschreiten ganz neue Wege, die sie erneut glücklich machen.

Klingt widersprüchlich? Für Scannerpersönlichkeiten keineswegs, denn ihnen immanent ist ein starker Wissensdurst und eine unglaubliche Neugier auf alle möglichen Themen, die nichts miteinander zu tun haben müssen.

Das wirkt oft chaotisch und inkonsequent. Zugleich aber auch faszinierend. Scannerpersönlichkeiten können inspirieren, weil sie ihr Leben einfach so gestalten, wie es ihnen passt – und weil sie sich nicht von gesellschaftlich vorgegebenen Schubladen einengen lassen.

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Pippi Langstrumpf

 

Die Kehrseite der Scannerpersönlichkeit? Der springende Fokus.

Es kann enorm kompliziert sein, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Eigentlich ist es unmöglich, weshalb sich viele Scannerpersönlichkeiten springend von Interesseninsel zu Interesseninsel bewegen. Viele kehren in unregelmäßigen Abständen auch wieder zu früheren Interessen zurück, bringen neu gewonnene Erfahrungen und das Wissen aus anderen Themengebieten mit ein und vertiefen so ihr Verständnis für die Welt.

So lange Scanner versuchen, sich in ein Schema zu pressen (Oft bedingt durch Ratschläge aus dem Umfeld, man möge sich doch mal auf einige wenige Themen fokussieren) kämpfen sie mit Selbstzweifeln und dem Gefühl, irgendwie “verkehrt” zu sein und nicht in diese Welt zu passen.

Sobald erkannt wird, dass ihre Persönlichkeitsstruktur es eben mit sich bringt, viele Interessen im Leben zu vereinen und nicht festgelegt zu sein, stellt sich oft ein Gefühl der Befreiung ein.

Auch Scanner selbst müssen lernen, sich zu akzeptieren, wie sie sind. Das ist nicht immer ganz einfach, denn schließlich gilt es noch immer als vorbildlich, sich im Leben auf eine Sache zu konzentrieren (zum Beispiel, was den Beruf angeht) und dann dabei zu bleiben.

Im Zuge der Digitalisierung weichen diese starren Muster gerade auf, was Scannerpersönlichkeiten zu Gute kommt, aber grundsätzlich werden sie doch noch immer als eher “bunte Hunde” wahrgenommen. Dabei können Scanner nicht nur als Selbständige unglaublich vielfältig arbeiten. Sie sind auch ein Gewinn für Unternehmen – sofern man ihnen die Möglichkeit lässt, ihre Stärken einzubringen.

Es ist definitiv niemals langweilig mit jemandem, der als Scanner durchs Leben läuft. Vielfältige Interessen sind nicht automatisch gleichbedeutend mit Wankelmut oder Unentschlossenheit, sondern einfach nur ein Zeichen für eine Persönlichkeit, die vielbegabt ihren Weg geht.

Solltest du dich in dem einen oder anderen Punkt dieses Textes wiedererkannt haben, dann kann ich nur sagen: “Herzlich willkommen im Club!”

Vielleicht geht es dir oft wie mir auch. Der Tag hat kaum genügend Stunden für all die wunderbaren und interessanten Dinge, die man noch lernen und erleben möchte. Und es kann sein, dass du gleichzeitig ein Buch schreibst, ein BWL-Studium in Angriff nimmst und dir ein Teleskop kaufst.

Es ist okay.

Ehrlich.

Alles, was dich glücklich macht (und niemand anderem schadet) ist vollkommen in Ordnung.

Natürlich wäre es manchmal leichter, man würde sich nicht für alles interessieren, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Und ja, natürlich wäre es oft auch sinnvoller, fokussiert bei einer Sache zu bleiben, bis sie wirklich abgeschlossen ist, anstatt immer wieder eine kleine Spritztour zu einem anderen Interessengebiet einzuschieben.

Aber andererseits – wann ist etwas denn schon wirklich abgeschlossen? Wer sagt denn, dass es nicht wichtig ist, diesen Kurs in Gartenbau zu belegen, bevor du deinen Krimi zu Ende schreibst? Vielleicht ergibt sich aus den Kursinhalten ja eine geniale Wendung, die deinem Buch noch gefehlt hat?

Ich selbst habe immer wieder die Erfahrung machen dürfen, dass ich am besten durchs Leben gehe, wenn ich meinen Interessen folge. Natürlich geht das nicht immer – aber man kann sich Auszeiten nehmen. Und dem folgen, was gerade wichtig ist.

Gerade im Bereich des Onlinebusiness wird immer wieder gepredigt, wie man etwas zu tun hat. Wie Marketing gestaltet werden muss, damit der Laden läuft. Wie regelmäßig man zu bloggen, wie stark man in sozialen Medien aktiv zu sein hat, wie fokussiert man sein muss.

Schneller, höher, weiter, mehr.

Möglich, dass das für viele Menschen funktioniert.

Mich macht es unzufrieden und knatschig, wenn ich in dieser Schublade sitzen muss.

In den vergangenen Monaten merkte ich zum Beispiel, dass mir die Arbeit an und mit Flowpreneur immer weniger Freude bereitete. Als ich anfing, zu hinterfragen, was eigentlich los ist, dämmerte es mir relativ schnell – ich klemmte in einer Schublade. Mein Leben drehte sich nur noch um das, was ich (vermeintlich schlauerweise) zu tun hatte. Und ich unterdrückte dabei all die wunderbar lebendigen Impulse, die mich zu meinen anderen Interessen hinzogen.

Ja, das geht eine ganze Weile gut. Aber irgendwann oszilliert man dann zwischen krampfhafter Vernunft und gezücktem Flammenwerfer…

Ich habe beschlossen, dass ich wieder deutlich mehr der reinen Freude folge. Und dass ich tue, wohin es mich zieht, zu dem Zeitpunkt, an dem es mich eben zieht. Auch, wenn das vielleicht gerade nicht der “klügste” Weg ist. Es ist aber eben meiner.

Was das nun bedeutet? Ganz einfach – ich bewege mich seit einigen Wochen auf der Ellipse weiter und zugleich zurück zu etwas, das mich sehr glücklich macht und längere Zeit nicht im Fokus war: ich male wieder, die Kreativität fließt und lässt mich sehr zufrieden sein. Es ist eine Arbeit abseits des Kopfes, ein Versinken ins Innere, ein anderer Ausdruck meiner Persönlichkeit. Und es darf sein. Weil es sich jetzt gerade richtig und gut anfühlt.

Übrigens habe ich auch die Webseite meines Künstler-Ichs Claire Marin neu gestaltet, was mir ebenfalls viel Freude gemacht hat. Hier kannst du meine künstlerische Arbeit sehen.

Letztendlich glaube ich, dass es darum geht, glücklich zu sein und dem Weg der Freude zu folgen. Vielleicht haben wir nur dieses eine Leben, wer weiß das schon? Man sollte die Zeit genießen und bestmöglich nutzen. Genau das bedeutet es für mich, im Flow zu sein. Flowpreneur zu sein.

Was interessiert dich heute? Gehst du diesem Impuls nach?