Selbständig trotz Autoimmunerkrankung – geht das? Na klar! Seit ungefähr 20 Jahren leide ich an einer Hashimoto Thyreoiditis. Obwohl … Ist leiden das richtige Wort?

 

Ich lebe mit ihr, wir haben uns arrangiert – aber ich weigere mich hartnäckig, zu leiden. Weil Leid nichts ist, womit ich bei mir selbst viel anfangen kann. Ich möchte nicht, dass eine Krankheit mir meine Art zu leben diktiert.

Dennoch gibt es Fakten, die sich nicht wegzaubern lassen. Hashimoto ist ein Autoimmunprozess – das bedeutet, mein Immunsystem geht gegen körpereigene Strukturen vor, in diesem Fall gegen das Schilddrüsengewebe. Der gesamte Körper ist durch die dauerhafte Entzündungsreaktion in Aufruhr – und das mal mehr, mal weniger stark zu spüren. (Aktualisierung: inzwischen ist auch noch eine rheumatische Erkrankung hinzugekommen, die ebenfalls autoimmun bedingt ist. Über fehlende Kreativität meines Körpers in Bezug auf die Bildung neuer Symptome kann ich mich definitiv nicht beschweren …)

Grundsätzlich gilt, dass ich mehr Zeit für mich brauche, und viel Ruhe. Ich erhole mich langsamer von körperlichen und seelischen Anstrengungen als andere Menschen. Es gibt Phasen, in denen mir die Konzentration schwer fällt und es gibt Zeiten, in denen ich mich durch Muskel-und Gelenkschmerzen fühle, als wäre ich 90 und hätte schweres Rheuma. (Aktualisierung: Irgendwie witzig … 90 bin ich zwar noch immer nicht, aber das mit dem Rheuma hat sich bewahrheitet. Leider.)

Ich muss auf meine Ernährung achten, damit ich nicht wie ein Hefekuchen aufgehe, und vor allem muss ich den Stress in meinem Leben in Schach halten, da sonst auch die körperliche Symptomatik deutlich zunimmt. Es gibt Zeiten, da schwankt mein Befinden stark, aber ganz ehrlich: meistens funktioniere ich wie jeder andere Mensch auch! Die Erkrankung und ich haben uns gut eingespielt. Wir kennen uns, meine Hashimoto Thyreoiditis und ich.

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“Du bist wahnsinnig, einer Selbständigkeit nachzugehen! Warum tust du dir das an? Es wäre bestimmt viel entspannter mit einem festen Job!”

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Diese Sätze habe ich schon oft gehört. Aber stimmt das? Wäre es entspannter in einem Unternehmen, in dem ich Teil eines Teams wäre? Ich bin mir da nicht so sicher… Selbständig trotz Autoimmunerkrankung hat nämlich durchaus auch Vorteile.

Interessant, dass zu diesem Thema (Angestellt oder selbständig – was ist besser?) gerade eine Blogparade läuft (aktualisiert: die Blogparade lief im März 2017, dafür entstand die Erstfassung dieses Artikels). Josef Altmann von karriere-und-bildung.de möchte von Bloggern gerne wissen, welche Alternative sie für besser halten. In meinem Fall ist die Sache sehr klar:

Ich arbeite am allerbesten, wenn ich meine Ruhe habe. Und die finde ich nicht in Großraumbüros. Die finde ich auch nicht in Meetings, die zu nichts führen, und nicht in gemeinsamen Zwangsmittagspausen mit oft nervigen Kollegen.

Mein Biorythmus weckt mich meistens schon gegen 5 Uhr morgens. Und dann beginnt für mich auch die effizienteste Zeit des Tages. Ich koche mir einen Kaffee, schreibe ungefähr zehn Minuten lang in meinem Manifestationsjournal und mache mich dann direkt an die Arbeit.

Meistens habe ich innerhalb drei oder vier konzentrierter Stunden mein Tagespensum erledigt. Dann ist es im Schnitt 10 Uhr morgens – in der Kreativbranche wird zu dieser Zeit erst allmählich in den Büros eingetrudelt …

Ich arbeite gut, wenn ich mir meine Zeit und die zu erledigenden Aufgaben selbst einteilen kann. Ich arbeite gut, wenn mir niemand über die Schulter schaut – außer, ich möchte das so. Ich arbeite gut, wenn ich mich ganz auf meine Arbeit konzentrieren kann, ohne ständig wieder rausgerissen zu werden.

Ich bin gut, wenn ich “im Flow” sein kann. Und all das kann ich auch mit einem Autoimmunprozess. Wahrscheinlich bin ich sogar deutlich effektiver als viele Menschen, die ihre Nine-to-Five-Jobs absitzen. Aber ich brauche dafür die richtigen Rahmenbedingungen, und die habe ich mir als Selbständige geschaffen.

Als Selbständige kann ich flexibel reagieren. Nicht nur auf Jobangebote, sondern auch auf die Schwankungen meiner Autoimmunerkrankung. Ich kann relativ kurzfristig pausieren, wenn es mal nicht gut läuft, und ich kann doppelt Gas geben, wenn ich mich prima fühle. Ich muss mir keine Sorgen machen, dass Kollegen Aufgaben für mich übernehmen müssen, wenn ich krankheitsbedingt mal ausfalle.

Okay, wenn ich krankheitsbedingt ausfalle, geht das als Selbständige natürlich vollkommen auf meine eigene Kappe. Es gibt kein Sicherheitsnetz in Form von Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Wenn ich nicht arbeite, verdiene ich kein Geld – ein Grund mehr, weshalb ich Passives Einkommen für absolut unverzichtbar halte und permanent daran arbeite, diesen Bereich weiter auszubauen.

Einnahmen aus meinen Onlinekursen, aus sonstigen Onlineprodukten und aus dem Bereich Affiliate Marketing* fließen weiter, selbst wenn Hashimoto mich mal völlig außer Gefecht setzt. Für mich ist Passives Einkommen nicht nur ein Luxus, um weniger arbeiten zu müssen. Es ist eine Überlebensstrategie.

 

(Und für alle, die sich fragen, wie “passiv” Passives Einkommen denn nun wirklich ist: ganz ehrlich? Das ist nichts für Leute, die keine Lust auf Arbeit haben. Passives Einkommen bedeutet nämlich jede Menge strukturierte, strategische und von Selbstmotivation getragene Arbeit – ohne, dass im Entwicklungsprozess garantiert werden kann, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung wirklich funktionieren wird. Man steckt unglaublich viel Energie und Herzblut in das, was man tut. Aber dafür laufen alle Prozesse irgendwann wirklich (fast ;)) von selbst …).

Ich bin die ideale Unternehmerin, denn ich habe niemals Probleme damit gehabt, mich zur Arbeit zu motivieren, oder an Projekten dran zu bleiben. Im Gegenteil. Meistens muss ich mich bremsen, um nicht dauerhaft zu viel zu arbeiten, weil ich alles, was ich tue, so spannend und erfüllend finde. Aber auch da bremst mich meine Hashimoto Thyreoiditis im Extremfall eben einfach aus. Wenn ich nicht gut genug auf mich aufpasse, liefert mir mein Körper die Quittung.

Ich habe deshalb mit den Jahren gelernt (und das manchmal auch auf die harte Tour), dass ich mit meinen Kräften und Ressourcen haushalten muss. Und das kann ich ebenfalls am besten, wenn ich nur mir selbst, meinen Kunden und meinen Projekten verpflichtet bin. Selbständig trotz Autoimmunerkrankung ist deshalb für mich kein merkwürdiges Konstrukt, sondern eine Strategie, die es mir ermöglicht, meine Kräfte optimal einzuteilen.

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Was ich mache, um trotz Hashimoto leistungsfähig und glücklich zu sein

 

  • Ausreichend schlafen. Ich bin sonst zu nichts zu gebrauchen.
  • Auf eine vernünftige Ernährung achten (in meinem Fall ist das eine Ernährung nach dem Paleo-Prinzip mit sehr hohem Pflanzenanteil, weil ich damit am besten zurechtkomme. Ein tolles Buch zum Thema ist übrigens Die Paläo-Therapie* von Sarah Ballantyne).
  • Bewegung (Von Spazierengehen über Yoga, Segeln und Tangotanzen bis hin zu Krafttraining in der Muckibude ist da alles dabei. Je nach Lust, Laune, Angebot und Wetterlage).
  • Genügend Erholung und Zeit für mich selbst (und die Menschen und Dinge, die mir wichtig sind).
  • Offline-Zeiten! Ganz wichtig! Raus aus der Dauerberieselung und den Kopf frei bekommen. Gerade Selbständige tendieren dazu, den Rechner nie auszuschalten und ständig auf Abruf zu sein. Es ist wichtig, da konsequent Grenzen zu setzen.
  • Persönlichkeitsentwicklung und Arbeit am Mindset. Was brauche ich, um mich wirklich gut zu fühlen? Welche Blockaden sind noch da? Was kann ich ganz konkret direkt jetzt ändern, damit es mir besser geht?
  • Ziele verfolgen. Ich bin immer besser drauf, wenn ich auf etwas hinarbeite, das mich berührt.
  • Eine sehr flexible Zeiteinteilung. So kann ich den Schwankungen einer Hashimoto-Erkrankung sehr gut begegnen.

 

Natürlich muss jeder selbst Wege für sich finden, um mit einer chronischen Erkrankung zu leben – und sich von dieser nicht tyrannisieren zu lassen. Aber diese Wege gibt es. Ein achtsamer Umgang mit sich selbst, gerade als Selbständige mit chronischen Erkrankungen, ist meiner Meinung nach unverzichtbar. Ebenso wie die Fähigkeit, sanft zu sich selbst zu sein, Mitgefühl mit den Anteilen zu haben, die eben nicht immer Vollgas geben können, und trotzdem niemals aufzugeben.

Mit der richtigen Balance zwischen Arbeitspensum und Entspannung, förderlichem Druck und sicherer Gelassenheit, lässt sich auch trotz Autoimmunerkrankung selbständig arbeiten. Und das meistens sogar richtig gut.

 

Little Lunch

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