Toxische Positivität – das Thema ist nicht neu, fällt mir gerade in Social Media Netzwerken wie Instagram in letzter Zeit aber immer häufiger auf. Auch, weil in diesem Zusammenhang oft der “Flow”-Begriff fällt. Quasi als “Goldstandard” wie etwas zu sein, sich anzufühlen, abzulaufen hat.

Die Botschaft in die Welt lautet gerne: Sei im Flow! Immer! Beim Arbeiten, in deiner Freizeit, einfach immer!

Flow als Lebenskonzept, als Ideal – und als das, an dem sich dann letztendlich alle unfassbar angestrengt abkämpfen …

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Die Verlockung des Flow

 

Toxische Positivität ist als Botschaft im Bereich Social Media ebenso verbreitet wie gefährlich, denn: der Schritt zu einer Art von Victim Blaming ist nicht groß.

Wer es einfach nicht hinkriegt mit der ach-so-tollen Positivität, wer schwankt, wer auch mal einen richtig miesen Tag hat (oder ne miese Woche. Oder – du liebe Güte – einen miesen Monat!) – ja, wer eben nicht immer total in der eigenen Mitte ist und nebenher noch die Welt rettet, der erscheint dann schnell defizitär.

Oder fühlt sich zumindest so.

Aber: hey, selbst schuld, du musst eben einfach positiver sein!

Was passiert eigentlich bei all den Zwanghaft-Positiv-Anforderungen mit einem Menschen, der normal vor sich hinlebt und bei dem eben auch mal alles nicht ganz so easy läuft?

Je nach eigener innerer Klarheit und Distanz zum Social Media Trubel geschieht innerlich mehr oder weniger Gesundes.

Dabei ist es schlicht und einfach unmöglich, immer im Flow zu sein. Immer positiv. Immer ausgeglichen. Immer im idealen Feld zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Unterforderung und Überforderung, zwischen Spaß und Effizienz.

Es. Ist. Unmöglich.

(Und hey, das sage ich, Frau Flowpreneur! Ich darf das!)

Ja, Flow ist super. Aber es ist wie beim Wetter. Immer nur Sonne nervt ja irgendwann auch…

Toxische Positivität

Es muss auch gar nicht immer der Flow sein. Die Leichtigkeit. Die Positivität.

Du hast nämlich weitaus mehr Facetten als eine Fassade aus Selbstoptimierung. Und all diese Facetten möchten bitte auch mitspielen dürfen, denn genau diese Vielschichtigkeit macht dich ja aus!

Mit toxischen Optimierungsbotschaften hat der Flowgedanke also ungefähr so viel gemeinsam wie ein zuckrig-künstlicher Energydrink mit einem richtig guten Champagner.

Von Ersterem brauchst du immer mehr, um das Level zu halten und fühlst dich schließlich trotzdem elend. Zweiteres ist etwas Besonderes – und sollte es auch bleiben! (Okay, wer alkoholfrei unterwegs ist, kann sich hier auch ein besonders leckeres Getränk ohne Alkohol vorstellen. Oder ein gutes Essen. Oder was auch immer dich verwöhnt, nährt, nicht Alltäglich ist und so etwas Besonderes bleibt.)

Ich plädiere sehr dafür, mehr Flow ins Leben und ins Business zu bringen.

Weil echter Flow alles leichter machen kann, weil er die Resilienz positiv beeinflusst und langfristig zu mehr Kreativität und Zufriedenheit führt.

Toxische Positivität und die “Verordnung von Flow” hingegen baut Druck auf. Deprimiert. Und kostet dich Energie.

Das gilt im ganz normalen Alltag ebenso wie beim Businessaufbau oder -ausbau. Vielleicht hast du den Eindruck, dass es bei allen anderen optimal läuft, dass alle total gut klarkommen und dass jeder vollkommen in der eigenen Mitte ruht, während das Onlinebusiness durch die Decke geht und die Kasse pausenlos klingelt? Und vielleicht ist dir gesagt worden, dass du nur die richtige Einstellung brauchst, dass du an deinem Mindset arbeiten musst und dass du ohne positives Denken eben auch nichts Positives anziehen wirst?

Ja, Mindset ist wahnsinnig wichtig.

Denn wenn du der Meinung bist, dass du keinen Erfolg haben wirst, dann wird dein Unterbewusstes nach Bestätigung für diese Annahme suchen. Und ganz sicher auch finden.

Ebenso verhält es sich mit der Annahme, dass du erfolgreich sein wirst, etwas schaffen wirst, dass das Leben dir wohlwollend gegenübersteht. Deine inneren Filter werden dann eben vor allem diese Wahrnehmungen durchlassen – und dich auf diese Weise in deinem Denken bestätigen.

Trotzdem gibt es einen großen Unterschied zwischen der Beschäftigung mit dem eigenen Mindset, der bewussten Reflexion von Gedanken, Gefühlen und Mustern, und zwanghaft verordneter Positivität, weil das eben gerade im Trend ist..

 

Toxische Positivität blendet aus, dass es auch mal wolkige Tage gibt – und dass diese ihre Berechtigung haben.

Du musst das nicht toll finden. (Auch das wäre ja schon wieder toxisch positiv, wenn du auf Teufel komm raus an allem etwas Gutes finden solltest …). Aber ausblenden ist definitiv auf Dauer kein gesunder Umgang.

Klar: es ist hilfreich, nicht zu dramatisieren, nicht in Grübelfallen hineinzugeraten und die Dinge auch mal mit Humor zu nehmen. Aber all das kannst du tun, ohne dem “Denk-positiv-Fake” zu unterliegen.

Die große Gefahr bei toxischer Positivität liegt nämlich darin, dass sie dich und deine Persönlichkeit beschneidet. Dass du keinen Zugang mehr hast zu dem, was tiefer liegt (und manchmal eben auch weh tut, ja!). Und dass du dir so selbst die Möglichkeit verbaust, etwas wirklich Gutes aus all dem Erlebten zu ziehen.

Dieses Gute entwickelt sich aber aus dem Prozess heraus, oft eher langsam und auf Umwegen – und geschieht nicht auf Verordnung.

Vielleicht kannst du toxische Positivität jetzt schneller erkennen, wenn sie dir mal wieder begegnet. Und dann bewusst entscheiden, ob du diese Anspruchshaltung an dich selbst in deinem Leben haben möchtest.

Ich wünsche dir gesunden Flow. Wann immer er dich findet.