Ein strenger Blick… Naserümpfen. Und dann ein leises, fast bedrohliches Zischen: “Über Geld spricht man nicht!”

Hast du so etwas schon einmal erlebt? Als Kind, oder vielleicht auch später?

Ich erinnere mich noch genau an die alte Nachbarin im Dorf, die in Bezug auf dieses Thema sehr empfindlich reagierte. Ich sehe noch heute das angriffslustige Funkeln in ihren Augen, die hinter den dicken Brillengläsern geradezu riesig wirkten, und ich habe den Duft der violetten Blumen in der Nase, die in ihrem Vorgarten wuchsen…

So viel Ablehnung! Dabei war es doch ein wichtiger Tag!

Ich war damals ungefähr neun Jahre alt – und hatte gemeinsam mit meiner Sandkastenfreundin soeben beschlossen, einen Laden zu eröffnen. Es war uns sehr ernst damit.

Und wir planten natürlich nichts Kleines, sondern ein gigantisches Geschäft, das selbstverständlich nicht nur das Dorf, sondern unaufhaltsam die ganze Welt verändern und verbessern würde…

Nein, Bescheidenheit konnte man uns in dem Punkt definitiv nicht nachsagen. Und wir wollten es professionell angehen. Ein Büro auf einer Bank im Wald hatten wir immerhin schon! Und Großes im Sinn.

Was wir verkaufen wollten?

Zeit.

 

(Offenbar hatten wir gerade Momo* von Michael Ende gelesen, anders lässt sich diese phänomenale Idee kaum erklären! Und irgendwie mussten wir damals schon auf einer unbewussten Ebene begriffen haben, dass Geld vor allem eines ermöglicht: mehr freie Zeit nämlich für die Dinge, die einem wirklich am Herzen liegen.

Darin liegt meiner Meinung nach nämlich der wirkliche Wert von Geld. In der Freiheit, die es ermöglicht.)

 

Doch zurück zu meinem neunjährigen Ich und den großen Plänen auf der Bank im Wald:

wir berichteten damals allen, die es hören wollten, von unserer Unternehmensgründung. Und denen, die es nicht hören wollten, erzählten wir selbstverständlich auch davon. Nur noch eifriger.

Die alte Dame aus der Nachbarschaft war definitiv auf Seite derer, die all das nicht hören wollten – und das lag an zwei Dingen:

zum einen fand sie es fürchterlich unmädchenhaft, dass wir ein Geschäft eröffnen wollten. Mädchen sollten sich ihrer Meinung nach mit anderen Dingen beschäftigen, als erfolgreiche Unternehmerinnen zu werden.

Und zum anderen war ihr unser offenes Geplauder über das Geld, das wir mit unserem großartigen Geschäft verdienen wollten (um damit zwei Ponys zu kaufen, übrigens … Das war der Plan …) vollkommen zuwider. Je begeisterter wir schwärmten, desto erboster wurde sie.

Denn, wie sie nicht müde wurde, uns zu belehren:

 

“Über Geld spricht man nicht!”

 

Hm…

Warum nur, habe ich mich damals gefragt? Was ist schlecht daran, über Geld zu reden?

Es ist doch sehr hübsch! Die Münzen klimpern und funkeln, und die Scheine knistern und sind bunt bedruckt! Man kann viele wundervolle Dinge mit Geld anstellen. Bücher kaufen, Ponys, Süßigkeiten. Was soll daran falsch sein?

Wie du an der Tatsache, dass ich mich an diese Episode noch so genau erinnern kann, erkennst, hat sich diese Erfahrung tief eingebrannt. Es war ein Einschnitt. Denn:

Geld hatte plötzlich etwas Unehrenhaftes an sich!

Man sprach nur hinter vorgehaltener Hand darüber, mit gesenkter Stimme! Wenn überhaupt! Am besten schwieg man dazu, vor allem als Mädchen!

Und irgendetwas in mir fand das damals schon unglaublich seltsam – und extrem unfair. Ich verstand nicht, weshalb man Geld mit einem Tabu belegte. Und ich verstehe es noch heute nicht.

Kaum etwas spiegelt unsere Werte so deutlich wie Geld. Kaum etwas gibt uns die Chance, so umfassend in der Persönlichkeit zu reifen und uns darüber klar zu werden, welche Rolle wir übernehmen wollen – für uns selbst, für andere, innerhalb der Gesellschaft.

Geld ist ein Spiegel

Nicht mehr und nicht weniger. Es lässt uns klarer sehen, wer wir sind, was uns wichtig ist, und wofür wie uns engagieren möchten. Und wenn es fehlt, trübt sich der Blick für alle Möglichkeiten, die das Leben zu bieten hat. Wir stumpfen ab, werden müde, resignieren. Das Funkeln fehlt.

Nein, Geld ist ganz sicher nichts das Wichtigste im Leben. Aber ich halte es für zu wichtig, um nicht darüber zu reden, um Klarheit zu vermeiden und um sich nicht darum zu kümmern… Weil sich diese Form von Ignoranz früher oder später rächt.

Übrigens: Aus dem formidablen Laden zum Verkauf der Zeit wurde nichts – aber die Erinnerung an die Reaktion der alten Nachbarin blieb wach…

Heute bringt mich die Geschichte zum Schmunzeln. Und immer, wenn mir die Aussage “Über Geld spricht man nicht” mal wieder zufällig begegnet, muss ich daran denken. Das, was damals passiert ist, bestärkt mich darin, Frauen nicht nur seelisch und unternehmerisch, sondern auch ganz konkret beim Thema Geld zu unterstützen. Hier auf Flowpreneur in den Artikeln, und in meinen individuellen Coachings für Frauen, die etwas an der Art, über Geld zu denken, verändern möchten. Aus meiner Sicht gehört das nämlich zu einem ganzheitlichen und gesunden Business dazu – niemand kann erfolgreich sein, ohne dabei Freundschaft mit Geld zu schließen. Oder im besten Fall sogar eine tiefe Liebe für all das zu entwickeln, was es ermöglicht.

Geld ist sehr wohl ein wichtiges Thema – auch und gerade für Frauen, wie z.B. dieser Spiegelartikel und dieser Blogbeitrag von Madame Moneypenny zeigen!

Ich plädiere also zum Jahresende dazu, darauf zu pfeifen, was irgendwann mal irgendjemand zum Thema Geld und Schweigen gesagt hat. Und genau das Gegenteil zu tun – nämlich darüber zu reden, sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und Geld die Rolle im Leben zuzuweisen, die ihm am allerbesten steht: die des hilfreichen Unterstützers nämlich.

Was sagt dein Money Mindset dazu?

Redest du über Geld? Tauschst du dich mit anderen aus, suchst du dir Informationen zusammen, traust du dich, Verantwortung für deine Finanzen zu übernehmen? Und hast du vor allem Freude daran, oder wird Geld von dir verschämt nur hinter vorgehaltener Hand erwähnt? Weil man ja – angeblich – nicht darüber spricht?

Geld darf Spaß machen!

Und du solltest sogar unbedingt Freude daran haben, dich mit deinen Finanzen zu beschäftigen, herauszufinden, wo es bei dir (noch) hakt und was du ab sofort anders machen kannst. Wie sagte Elizabeth Taylor doch einst so schön?

Wozu ist Geld gut, wenn nicht, um die Welt zu verbessern?

Geld ist niemals Selbstzweck – es ermöglicht uns Sicherheit, Freiheit und Unabhängigkeit in den Entscheidungen. Es lässt uns die Wahl, und es bringt uns dazu, uns noch sinnvoller zu engagieren. Für das, was uns wichtig ist – für das, was für die Welt wichtig ist.

Die Verbesserung der Welt beginnt im Kleinen – bei uns selbst. Und der Satz “Über Geld spricht man nicht!” sollte ein für alle Mal ausgedient haben. Lasst uns gefälligst mehr über Geld reden!

 

Ursprüngliche Fassung vom 21.12.2017, überarbeitet und aktualisiert am 10.11.2019